Ein Lockmittel wirkt nur dauerhaft, wenn das Wild am Lockplatz auch etwas findet. Viele Jäger kennen das Bild: In den ersten Nächten zeigt die Wildkamera reges Treiben, nach einer Woche kommt kaum noch etwas.
Der Grund ist selten das Mittel selbst, sondern die Anwendung. Wird ein Lockspray einfach auf einen Stein oder Baumstumpf gesprüht, lernt das Wild schnell: Hier riecht es gut, aber es gibt nichts. Der Duft verspricht etwas, das der Platz nicht hält – und genau daraus entsteht der Gewöhnungseffekt.
Was ein gutes Lockmittel können muss
Ein gutes Lockmittel ist mehr als ein angenehmer Geruch. Es sollte fünf Dinge leisten:
- Fernwirkung: Der Duft muss sich auch über Distanz vom Hintergrund des Reviers abheben, damit Wild den Platz überhaupt entdeckt.
- Natürlichkeit: Wild ist vorsichtig. Duftnoten, die es aus seinem Lebensraum kennt – reifes Futter, Obst, Kräuter, Markierungen von Artgenossen – wecken Neugier statt Misstrauen.
- Mehrere Reize: Wirkt ein Mittel nur über einen Reiz, lässt das Interesse schnell nach. Besser ist die Kombination aus Duftsignal, Futtersignal und Geschmack.
- Konzentration: Ein hochwertiges Lockmittel ist ergiebig. Wenige Sprühstöße genügen – mehr ist nicht besser, sondern wirkt oft unnatürlich.
- Beständigkeit: Der Duft sollte auch nach Tau und leichtem Regen noch wahrnehmbar sein, ohne sich in wenigen Stunden zu verflüchtigen.
Das Prinzip: ankündigen und belohnen
Der Schlüssel gegen den Gewöhnungseffekt ist eine Arbeitsteilung am Lockplatz. Das Lockmittel hat zwei Aufgaben, und die sollten Sie getrennt behandeln.
Das Duftsignal – bewusst außer Reichweite. Ein Teil des Lockmittels dient nur der Ankündigung. Sprühen Sie ihn so auf, dass das Wild ihn riechen, aber nicht ablecken, bebrechen oder zerwühlen kann: an einen Baumstamm oder Pfahl oberhalb der Reichweite, an einen überhängenden Ast, auf ein Holzstück in einer Astgabel. So bleibt die Duftquelle über Tage erhalten, wird nicht „verbraucht“ und strahlt vom Lockplatz aus.
Die Belohnung – genau dort, wo das Wild hinkommt. Der zweite Teil gehört dorthin, wo das Wild tatsächlich etwas aufnimmt: auf das Kirrgut, die Salzlecke oder den Leckpfahl – soweit das Jagdrecht Ihres Reviers das erlaubt. Hier löst der Platz ein, was der Duft versprochen hat. Das Wild verknüpft den Geruch mit einer echten Belohnung und kommt wieder.
Kurz gesagt: Der Duft lockt, die Belohnung bindet. Ein Lockmittel auf einem kahlen Stein erfüllt nur die erste Hälfte.
So wenden Sie Lockmittel richtig an
Schwarzwild
- Duftsignal: 2–3 Sprühstöße an einen Baum oder Pfahl in etwa 1,2–1,5 m Höhe – über der Reichweite des Wurfs, aber im Windschatten gut wahrnehmbar.
- Belohnung: Das Aroma direkt auf das Kirrgut geben, zum Beispiel einige Milliliter in den Eimer Mais und kräftig schütteln. So riecht und schmeckt jedes Korn danach.
- Tipp: Bei jedem Beschicken frisch aromatisieren. Die Sauen verbinden den Duft so zuverlässig mit Futter.
Rehwild und Damwild
- Duftsignal: An einen Baum oder Pfahl in 1,5–2 m Höhe sprühen, beim Damwild eher etwas höher. Dezent dosieren – beide Wildarten reagieren auf zu intensive Gerüche eher mit Misstrauen.
- Belohnung: Auf die Salzlecke oder den Leckpfahl sprühen. Das Wild findet die Lecke schneller und verbindet den Duft mit dem Mineralbedarf.
- Tipp: Geduld haben. Besonders Damwild braucht einige Tage, bis ein neuer Platz angenommen wird – dann folgt oft das ganze Rudel.
Fuchs
- Duftsignal: An einen Pfahl, Stein oder Baumstumpf in Sichtweite des Luderplatzes sprühen. Beim Fuchs darf das Signal auch in Reichweite sein, denn er prüft und markiert gern darüber.
- Belohnung: Den Luderplatz selbst beduften, damit der Fuchs dort findet, was der Duft ankündigt.
- Tipp: Besonders wirksam im Winter und zur Ranz, wenn Nahrungsknappheit und Revierverhalten zusammenkommen.
Häufige Fehler
- Lockmittel ohne Belohnung: Duft auf Stein oder Boden, aber nichts zu holen – der schnellste Weg zum Gewöhnungseffekt.
- Überdosierung: Ein ganzer Sprühstoß-Nebel wirkt unnatürlich und kann vorsichtiges Wild vergrämen.
- Eigene Witterung: Lockplatz nur mit Handschuhen beschicken, Flasche nicht mit bloßen Händen am Sprühkopf anfassen.
- Unregelmäßigkeit: Wird der Platz mal beduftet und mal nicht, fehlt die Verlässlichkeit, die das Wild an den Platz bindet.
- Falscher Wind: Den Lockplatz so wählen, dass der Duft zum Einstand zieht – und der eigene Ansitz nicht im selben Luftstrom liegt.
Was rechtlich zu beachten ist
Kirrung und Fütterung regional unterschiedlich geregelt. Informieren Sie sich daher stets zu den geltenden Gesetzen in Ihrer Region.
Fazit
Ein gutes Lockmittel verbindet Fernwirkung, natürliche Duftnoten und mehrere Reize in hoher Konzentration. Seine volle Wirkung entfaltet es aber erst, wenn Sie Duftsignal und Belohnung trennen: den Duft außer Reichweite als Wegweiser, das Aroma auf Kirrgut oder Salzlecke als Belohnung. So bleibt Ihr Lockplatz über Wochen interessant – statt nur für ein paar Nächte.
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